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Vorwort Unser langjähriger Distriktstempler / Landesvorsitzender (1994 – 2002) Fritz Walch schrieb diese Kurzfassung unserer Geschichte. Sie wurde in der Festschrift zum 111. Ordenstag / Bundestreffen der Guttempler in Bad Wildungen / Hessen im Jahre 2000 abgedruckt. Das 100 jährige Bestehen des Distriktes Hessen im Jahr 2004 ist ein guter Anlass sie erneut und unverändert zu veröffentlichen. Da Fritz Walch am 3.Sept.2002 leider viel zu früh verstarb, habe ich die Fortschreibung übernommen. Wilhelm Hochstein
Im Jahr 1900 speiste ein Guttempler aus Hannover in einer vegetarischen Gaststätte in Frankfurt. Dort konnte er einen Hessen namens Kaufmann für “Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe“ begeistern und gründete mit ihm und einigen seiner honorigen Freunde in Hanau die Loge “Zur Höhe“. Zwei Jahre später entstand die Loge “Freistatt“ in Frankfurt und andere an der Lahn und in Kassel. Sieben Logen schlossen sich 1904 zum 24. Distrikt Hessen-Nassau zusammen, und nach der Weihnachten in Wiesbaden gestifteten “Taunuswacht“ zählte dieser 175 Guttempler. Dann gab´s Zoff auf Ordensebene, Kassel fiel an Hannover, der Mitgliedsstand schrumpfte und erholte sich wieder bis zum Ende des Kaiserreiches auf etwa 500 Geschwister. “Freistatt“, “Taunuswacht“ und “Chattenburg“ bestehen heute noch, die anderen Logen überlebten`s nicht – trotz ihrer stimmungsfördernden Namen wie “Strebe Aufwärts“, “Hessens Hoffnung“ und “Wohlfahrt am Rhein“. Die Wirren des 1. Weltkrieges, die Hungerjahre und Inflationszeit forderten besonders die Frauen. Vor dem Hintergrund ihrer wachsenden Selbständigkeit betreute nach eineinhalb Jahrzehnten Stillstand die Darmstädter Lehrerin Maria Lehne 1925 als Distriktstemplerin wieder 7 Logen. Aus dieser Zeit stammt die Gemeinschaft “Treue bringt Segen“ – heute “Haune-Fulda-Eck“ - in Bad Hersfeld. Exakte Daten aufzulisten ist deshalb schwer, weil der damalige Distrikt teilweise andere Regionen umfasste als das heutige Bundesland Hessen. Dann wurde Hitler Reichskanzler, und unter der Macht der Nationalsozialisten durchlitten auch die hessischen Guttempler eine unsägliche Zeit..... Das im tiefen Glauben verwurzelte Bekenntnis “Treu bringt Segen“ verkam an den Fronten und in der Heimat zum blanken Zynismus. Nach Kriegsende fanden sich Ordensgeschwister wieder in der Gemeinschaft “Freistatt“ zusammen. 1952 leitete Reinhold Kobelt die erste Distriktssitzung nach der Trümmerzeit. In Kassel, Bad Hersfeld und Wiesbaden gab es wieder Treffen und in den folgenden Jahren durch Aufnahme “von der Trinkerfürsorge Geretteter“ Neuzugänge und Logen-Gründungen. Es gab - natürlich - auch Differenzen, Richtungsdiskussionen, Zielinterpretationen. Überliefert ist, dass “stets streitbare Guttempler die Loge Vortrupp gründeten“. Insgesamt jedoch wurde der Aufschwung durch viel, viel guten Willen, Gemeinschaftsgeist und Hilfsbereitschaft geprägt und getragen. Ein imaginäres Band der unsichtbaren, aber allgegenwärtiger Aufschrift “Herzlich Willkommen“ schweißte Geschwister und Hilfesuchende zusammen. Eine Grundüberzeugung, welche die Ära des “Wirtschaftswunders“ begleitete und heute eher Seltenheitswert hat. In den sechziger/siebziger Jahren wurde ein Haus in Frankfurt – Sachsenhausen gekauft, von Guttemplern renoviert und als Klubhaus Süd eröffnet (heute: Reinhold – Kobelt – Haus). Es entstand das Guttempler – Hilfswerk, das in Hessen den Mahlertshof als erste eigene Heilstätte und Schloss Mackenzell als Kurklinik für alkoholkranke Frauen erwarb. Das Sozialwerk etablierte das Übergangswohnheim Röderichstrasse und das – mittlerweile aufgegebene – Helmut-Hartenfels-Haus. Der neue Landesverband des Bildungswerkes begann mit Seminaren und Helferausbildungen. Die vielen, nach dem Vorbild der Neulandkreise entstandenen Gesprächsgruppen, die mutige und aufwendige Arbeit der Sachgebiete, die Veranstaltungen “Alkohol in der Arbeitswelt“ bei Firmen und Verwaltungen, die Beratungsstellen, der enge Kontakt mit sozialen Einrichtungen der Wirtschaft, das breite Bildungsangebot und nicht zuletzt großzügige finanzielle Zuwendungen von Institutionen – die wir mal pauschal “öffentliche Hand“ nennen wollen – bescherten dem Distrikt Hessen ein beachtliches Wachstum. Viele Gemeinschaften mit großer Mitgliederzahl teilten sich, aus ihren Gesprächsgruppen wurden Guttempler – Gemeinschaften und überzogen das Flächenland Hessen weit über die historischen Stadtgrenzen hinaus. Heute hat der Distrikt Hessen 1670 Ordensgeschwister in 80 Gemeinschaften mit etwa 70 Gesprächsgruppen und einem Seniorenkreis. Seine Arbeit und seine Erfolge in seinem fast hundertjährigen Bestehen sind eng verzahnt mit der Geschichte des Deutschen Guttempler Ordens. Viele wichtige Neuerungen, Reformen und auch Ordensleiter/innen kamen aus Hessen. Wir sind stolz darauf. Wir strengen uns weiter an – auch wenn wir die pathetische Orientierung im Namen der ersten hessischen Loge “Zur Höhe“ heute ideell und ökonomisch etwas moderner sehen.
Fritz Walch
Fortschreibung der Geschichte des Distriktes Hessen
Der Verlauf des 111. Ordenstages / Bundestreffen der Guttempler in Bad Wildungen / Hessen wird sicher vielen in guter Erinnerung bleiben und war auch für uns Hessen ein Erfolg. In den jetzt zu analysierenden Jahren 2000 – 2004 wurde es zunehmend schwerer zahlenmäßig unseren Stand zu halten. Mangelnde Bindungsbereitschaft und der Umbruch im sozialen System zeigten Auswirkungen. Es wurde von Jahr zu Jahr schwieriger durch den Gewinn neuer Mitglieder den Ausgleich zu schaffen, der durch Tod, Austritt und sonstiger Verluste notwendig gewesen wäre. Auch ein hoher Altersdurchschnitt in unserer Mitgliedschaft trug seinen Teil dazu bei. Die bittere Realität daraus war die Schließung von 5 Gemeinschaften und ein dadurch entstandener Mitgliederverlust. Aktuell hat der Distrikt 1522 Mitglieder in 75 Gemeinschaften mit 65 Gesprächsgruppen. Unser soziales und ehrenamtliches Engagement waren weiterhin gefragt. Das Hilfsangebot unserer Gemeinschaften mit ihren Gesprächsgruppen wurde gut angenommen. Im Jahresdurchschnitt konnten wir 2500 – 2800 Personen Rat und Hilfe geben. Das bedeutete aber auch, dass wir uns auf die sich veränderten Bedürfnisse und Herausforderungen in der Gesellschaft, im Suchtverhalten und im sozialen Bereich einstellen mussten. Als eine Voraussetzung, das auch umsetzen zu können, haben wir eine neue Satzung verabschiedet. Es galt zukünftig flexibeler arbeiten und auch Verantwortung auf mehr Schultern verteilen zu können. Es wird sich noch erweisen müssen, inwieweit der eingeschlagene Weg sich bewährt. Schlussbemerkungen Der Vorstand der Guttempler in Hessen ist der Meinung, dass die richtigen Weichen für unser zukünftiges Wirken gestellt wurden, aber nur gemeinsam kann es auch erfolgreich sein. Nur das Zusammenwirken aller Mitglieder, der Gemeinschaften, der Kreise und des Distriktes wird die erwünschten Erfolge bringen und unseren Fortbestand sichern. Es gilt immer die Balance sowohl zwischen unseren Traditionen, Sitten und Gebräuchen, als auch den sich verändernden Bedürfnissen und dem Zeitgeist zu finden. Lasst uns alle, gerade in unserem Jubiläumsjahr, verstärkt an der Umsetzung arbeiten.
Wilhelm Hochstein
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