Seminarwochenende Melibokus und Werratal

Seminarwochenende der Gemeinschaften

Melibokus und Werratal

Vom 27.04 – 29.04.2012

„Ist das schön hier“!  Mit diesem Satz begrüßten uns unsere 10 Freunde von der Gemeinschaft Werratal( Thüringen), als sie aus den Autos auf dem Parkplatz des Hotels Lärmfeuer im Odenwald stiegen.

Wir hatten für unser gemeinsames Wochenende offenbar den richtigen Platz ausgesucht: das Hotel und Gasthof Lärmfeuer in Reichelsheim-Rohrbach im Odenwald.

Der Hausname erinnert an das benachbarte, 502 m hoch gelegene, historische „Lärmfeuer“ im Verband früherer Alarmstationen, deren Feuer- und Rauchsignale 1803 erloschen.

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Nach dem Austausch der Neuigkeiten aus den Gemeinschaften und einem leckeren Abendessen führte uns Hagen in das Thema dieses Wochenendes das Problem der Co-Abhängigkeit ein.

Es wurden die typischen Verhaltensweisen von Bezugspersonen eines Suchtkranken beleuchtet, die damit die süchtige Fehlhaltung unterstützen und eine rechtzeitige Behandlung verhindern.

Menschen, die mit Suchtkranken zusammenleben, werden durch das Verhalten des Süchtigen beeinträchtigt und gekränkt, ohne zu wissen, was sie anders machen könnten. Angehörige versuchen meistens allein ihre Lebenssituation zu bewältigen und soviel  Kontrolle wie möglich über diese chaotische Situation zu gewinnen. Das bedeutet gleichzeitig, dass dem Abhängigen Verantwortung abgenommen wird.

Heute kennt man mehrere typische Verhaltensstile, die von einer co-abhängigen Person praktiziert werden:

 

° Vermeiden und beschützen: Der Abhängige wird davor bewahrt, die volle Tragweite der schädlichen Konsequenzen des Suchtmittelkonsums zu spüren.

 

° Kontrolle: Der Co-Abhängige übernimmt die Kontrolle über den Suchtmittelkonsum des Abhängigen.

 

° Der Co-Abhängige übernimmt zunehmend die persönlichen Verantwortlichkeiten des Abhängigen, seien dies Tätigkeiten im Haushalt oder am Arbeitsplatz.

 

° Rationalisieren und Akzeptieren: Verhaltensweisen des Co-Abhängigen, mit denen er den Suchtmittelmissbrauch erklärt und rechtfertigt oder gar akzeptiert.

 

° Unterstützung und Beteiligung des Co-Abhängigen bei der Beschaffung, der Zubereitung und dem Gebrauch des Suchtmittels.

 

° Retten und sich dem Abhängigen nützlich machen: Der Abhängige wird übermäßig beschützt.

 

Diese Rolle wird meistens von der Person übernommen, die dem Abhängigen am nächsten steht.

 

Nach Beendigung des Vortrages wurde schon heftig diskutiert, und wir waren schon gespannt auf den nächsten Tag, für den wir Frau Nica Böttcher von der Salus Klinik (Friedrichsdorf) gewinnen konnten, uns zum Thema Co-Abhängigkeit aus professioneller Sicht einiges zu erläutern.

 

So ging der erste Tag unseres Treffens  zu Ende.

 

Am Samstag, nach dem  Frühstück  warteten wir gespannt auf die Ankunft von Frau Dipl. Päd. Nica Böttcher.

 

Pünktlich, es war sogar noch Zeit für einen Kaffee, beschrieb Sie uns in beindruckender Weise das Co-Verhalten als Prozess, bei dem sich die betroffene Person und das Umfeld  ergänzt.

 

So fielen Begriffe wie Verleugnungsphase, Rechtfertigungsphase, Beschützer und Helferphase bis hin zur Abwehr,  Kontroll und Anklagephase.

 

Besonders beeindruckend war für uns der Ausstieg aus dem Co-Verhalten – eine KLARe Haltung –

 

Einsicht:

° Ich habe eine gefährdete Person vor mir.

° Ich habe lange das Spiel mitgespielt

° Ich werde KLAR anders vorgehen.

 

Konsequent

° Auf auffälliges Verhalten hinweisen.

° Kontakte zum Beratungsangebot suchen.

° Änderung anfordern und konkret vereinbaren.

° Einhaltung von Absprachen verfolgen.

 

Loslassen

° Das Problem erkennen und akzeptieren.

° Verantwortung an die Person zurückgeben.

° Unterstützung auf dem Weg zusichern.

 

Abgrenzen

° Ich glaube, du schaffst das.

° Es ist deine Entscheidung.

° Du musst wissen, wohin du willst.

 

Reden

° Ich rede mit, nicht mehr nur über die Person.

° Ich suche selbst Beratung auf, wenn in meinem Umfeld ein Suchtproblem ist.

 

So hat uns Frau Böttcher in ihrer sehr kompetenten und freundlichen Art, für manchen vielleicht auch eine neue Sichtweise auf dieses Thema vermittelt.

Die anschließende Diskussion war jedenfalls sehr lebhaft und wir sind auch H.Ferdinand Leist (Salus Klinik, Friedrichsdorf) , der bedauerlicherweise nicht kommen konnte , sehr dankbar, dass er uns Frau Böttcher geschickt hat.

Da wir Guttempler  bekanntlich großen Wert auch auf den Besuch von Mitbetroffenen bei uns legen, ist das Wissen über Co-Abhängigkeit für uns alle sehr wichtig.

Wir bedankten uns guttemplerisch bei Frau Böttcher, auch mit einem Blumenstrauß. Wir hatten das Gefühl, dass es Ihr auch sehr gut bei uns gefallen hat – wir konnten Sie sogar noch zum Mittagessen in unserer Runde überreden, ehe Sie sich wieder auf den Heimweg machte.

Jetzt stand das Rahmenprogramm an und wir fuhren gemeinsam nach Miltenberg am Main, wo schon das Ausflugsschiff auf uns wartete.

Nach einer einstündigen  Rundfahrt auf dem Main bei herrlichem Sonnenschein blieb bei manchem ein kleiner Sonnenbrand als Erinnerung an diesen wunderschönen Tag  zurück.

 

Im Anschluss konnten wir in der zauberhaften Altstadt noch Kaffee und Eis genießen, ehe es wieder zurück ins Lärmfeuer ging, wo wir am Abend noch mit einem Grillabend verwöhnt wurden.

 

Ein weiteres Highlight des Abends war der Film „ Morgen hör ich auf “ mit Karlheinz Lemken ,den wir uns gemeinsam angeschaut haben. Dieser Film nach dem Stück von Eddie Cornwell hat uns alle wirklich bewegt, und so mancher fand sich selbst wieder.

 

Am Sonntag, dem letzten Tag unseres Treffens, fuhren wir nach gemeinsamen Frühstück nach Michelstadt/ Odw, um uns den mittelalterlichen Stadtkern mit dem weltbekannten Rathaus anzuschauen, anschließend gab es noch ein Eis oder mehr auf der Terrasse der Weltmeister – Konditorei Siefert (Michelstadt)

 

Mit dem Bruderkreis verabschiedeten wir uns etwas wehmütig, aber das nächste Treffen ist glücklicherweise schon in Planung.

 

Ganz herzlichen Dank unseren Freunden aus Thüringen, dem Organisationsteam der Guttemplergemeinschaft „Melibokus“, Bickenbach, Frau Böttcher und den Wirtsleuten Beck vom Lärmfeuer, die uns erst dieses schöne Wochenende ermöglicht haben.

 

Hagen Geiss/ Guttemplergemeinschaft Melibokus

 

 

 

 

 

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